Panorama   setzt   sich   zusammen   aus   den   griechischen   Begriffen   pan   (alles)   und   horama   (sehen) und steht per Definition für einen möglichst weiten Rundumblick. Bekannt   wurde   die   perspektivische   Darstellung   von   Landschaften   in   Form   eines   Panoramas durch    Robert    Barker.    Der    Ire    ließ    sich    1787    seine    Pläne    für    ein    zylindrisches    Gebäude patentieren,   in   dem   rundum   laufende   Gemälde   erst   angefertigt   und   dann   ausgestellt   wurden. Bald   standen   Rotunden   (siehe   Bild   rechts)   voll   im   europäischen   Trend.   Jede   größere   Stadt,   die etwas   auf   sich   hielt,   schaffte   sich   ein   Panorama-Haus   an.   Einige   wenige   dieser   historischen Bauten   sind   heute   noch   erhalten   (Luzern,   Innsbruck,   Prag).   In   der   thüringischen   Kleinstadt   Bad Frankenhausen   lädt   das   Bauernkriegspanorama   des   Leipziger   Malers   Werner   Tübke   zu   einem Besuch   ein.   Mit   einer   Fläche   von   1722   m²   zählt   das   in   der   DDR   entstandene   Tafelbild   zu   den größten der Welt. Frühe    Panoramen    aus    dem    18.    und    19.    Jahrhundert    begegnen    uns    immer    als    gemalte Rundgemälde.   Im   Jahre   1912   wurde   zum   Beispiel   das   Panorama-Gebäude   in   Waterloo   zu Füßen   des   berühmten   Löwen   errichtet.   In   diesem   Gebäude   bekam   das   Gemälde   La   bataille   de Waterloo   (Die   Schlacht   von   Waterloo)   seinen   ehrwürdigen   Platz.   Der   Erfolg   war   riesengroß.   Das Monumentale,    das    Gigantische,    zog    unzählige    Bewunderer    in    seinen    Bann.    Keine    andere Kunstform,   kein   anderes   Massenmedium,   hat   das   Publikum   so   begeistert   und   die   Sehweise   der Menschen   dieses   Jahrhunderts   so   stark   geprägt   wie   das   Panorama.   Es   gab   weder   Film   noch Fernsehen als Alternative. Die Fotografie steckte noch in den Kinderschuhen. Wer   nun   denkt,   die   Panoramafotografie   sei   eine   Erfindung   der   Neuzeit,   irrt,   denn   auch   hier existiert   eine   Historie,   die   bis   in   die   Mitte   des   19.   Jahrhunderts   zurückreicht.   Nur   leider   wurde   der Begriff   Panorama   in   der   Fotografie   nicht   konsequent   umgesetzt.   War   zu   Beginn   klar,   dass   ein Panorama   einen   möglichst   großen   Rundumblick   beschreibt,   so   hat   sich   in   der   Fotografie   die Definition      des      Breitformatfotos      herausgebildet.      Breitformatfotos      aber      haben      nicht notwendigerweise    etwas    mit    einem    großen    Blickwinkel    zu    tun,    sondern    lediglich    mit    dem Ausschnitt und dem Seitenverhältnis. In   der   heutigen   Fotografie   erhält   der   Begriff   Panorama   zunehmend   seine historische   Bedeutung   zurück.   Den   wohl   eindrucksvollsten   und   zugleich grausamsten    Beleg    liefern    5    Flächenpanoramen    aus    Hiroshima,    die wenige   Monate   nach   dem   Atombombenabwurf   entstanden.   Die   Bilder wurden   von   drei   amerikanischen   Fotografen   und   dem   Japaner   Shigeo Hayashi   aufgenommen,   dessen   Worte   überliefert   sind:   "Nichts   in   meiner Erfahrung   hat   mich   darauf   vorbereitet,   diese   Größe   der   zerstörerischen Kraft zu begreifen." Folgendes hat er gesehen:   Hiroshima am 01.10.45 Fassen   wir   zusammen:   Die   Panoramafotografie   steht   als   Sammelbezeichnung   für   unterschiedlichste Techniken,   Bilder   unter   einem   möglichst großen   Blickwinkel   herzustellen.   Typischerweise   geht   dieser   Blickwinkel   dabei   weit   über   den   starren   Blickwinkel   des   menschlichen   Auges hinaus   (ca.   50   Grad)   und   reicht   vom   Blickwinkel   des   bewegten   menschlichen Auges   (ca.   140   Grad)   bis   zu   360   Grad   bei   Rundumaufnahmen. Ein   Mensch   erfasst   diesen   Blickwinkel   nur,   indem   er   sich   um   seine   eigene   Achse   dreht.   Daraus   ergibt   sich   die   größte   Herausforderung   der Panoramafotografie:   Wie   fotografiert   man   etwas,   was   man   eigentlich   nicht   fotografieren   kann,   und   wie   macht   man   anschließend   daraus   ein Bild? Wir klären diese Frage anhand des Erbacher Schlosshofes im Odenwald: Das   Foto   links   wurde   mit   einer   Spiegelreflexkamera   aus   der   5000er   Serie   von   Nikon   und   einem   Objektiv Nikkor   18-135   mit   der   Brennweite   von   18mm   aufgenommen.   Die   Brennweite   von   18mm   an   einer   Crop- Kamera   mit   Faktor   1,5   entspricht   im   herkömmliche   Kleinbildformat   27mm,   für   all   jene,   die   immer   noch umrechnen. Somit befinden wir uns ein ganzes Stück im Weitwinkelbereich. Moderate    Weitwinkelobjektive    erreichen    im    Mittel    einen    Blickwinkel    von    60°x40°,    extreme    Weitwinkel- objektive   100°x50°.   Im   Vergleich   zum   menschlichen   Auges   kann   von   einem   erweiterten   Blickwinkel   keine Rede sein. Nur Fisheye-Objektive haben diese Fähigkeit. Ihr Blickwinkel beträgt bis zu 180° und mehr. Das    Bild    rechts    wurde    aus    vier    Einzelbildaufnahmen    mit    18er Brennweite   zusammengesetzt   und   auf   einen   Blickwinkel   von   100° horizontal und 100° vertikal beschnitten. Weshalb    dieser    Aufwand?    Nun,    zur    Veranschaulichung.    Dieser Blickwinkel    entspricht    folgendem    Modell:    Man    stelle    eine    Glas- scheibe   im   Abstand   von   einer   Armlänge   vor   sich   auf   und   male genau   das,   was   man   durch   sie   sehen   kann,   auf.   Möchte   man   mehr von   der   Umgebung   malen,   das   heißt   vergrößert   man   den   Blick- winkel, so muss die Glasscheibe natürlich ebenfalls größer werden. Aber   es   gibt   ein   Problem:   Ohne   sich   selbst   und   die   Scheibe   zu verrücken,   kann   man   –   auch   wenn   man   die   Scheibe   noch   so   groß wählt   –   nie   das   auf   sie   malen,   was   einem   aus   dem   Blickwinkel gerät,   erst   Recht   nicht,   was   sich   hinter   dem   Rücken   befindet.   In   der   Praxis   liegt   die   Grenze   bei   einem   Blick- winkel   von   ca.   100   Grad   in   der   horizontalen   und   vertikalen   Ausrichtung.   Möchte   man   seine   Umgebung komplett   in   einer   Rundumansicht   aufmalen,   benötigt   man   mindestens   drei   Glasscheiben   unter   einem   Dreh- winkel von 120 Grad. Ganz ähnlich verhält es sich bei der Panorama-Fotografie. Das   Foto   oben   entspricht   dem   Beispiel   der   3   Glasscheibengemälde.      Der   Maler   drehte   sich   einmal   um   die eigene   Achse,   so   konnte   er   alles   um   sich   herum   aufzeichnen   –   auch   was   ursprünglich   hinter   ihm   lag.   Der Fotograf    schoss    36    Aufnahmen    mit    einem    18er    Weitwinkelobjektiv.    Fügt    man    die    einzelnen    Bilder zusammen,   entsteht   auf   diese   Weise   ein   zylindrisches   Panorama.   Der   Theorie   nach   fehlen   jetzt   nur   noch ein    Blick    in    den    Himmel    (Zenit)    und    ein    Blick    auf    den    Boden    (Nadir),    um    das    Kugelpanorama abzuschließen.    Doch    hier    ergibt    sich    eine    weitere    Problematik:    Während    man    ein    zylindrisches    Bild aufklappen   kann   wie   eine   Papprolle,   die   man   an   einer   Stelle   zertrennt   und   gerade   biegt,   wird   eine   Kugel nicht   so   einfach   als   “flaches   Bild   darzustellen   sein.   Man   stelle   sich   einen   Globus   vor,   den   man   flachdrücken möchte.    Und    in    der    Tat    würde    der   Aufwand    so    gut    wie    keinen    Sinn    ergeben,    läge    der    Sinn    eines Kugelpanoramas   darin,   ein   planes   Bild   zu   erzeugen.   Um   das   ultimative   Panorama   -   das   sphärische   Bild   -   in seiner   vollen   Wirkung   zu   erleben,   bedarf   es   digitaler   Hilfsmittel.   Bevor   wir   diesem   Thema   folgen,   betrachten wir    uns    das    Ergebnis    unseres    shootings.    Folgendes    Bildmaterial    steht    zur    Weiterverarbeitung    zur Verfügung: Ab   jetzt   übernimmt   ein   “Stitcher”   die   Arbeit,   ein   spezielles   Softwareprogramm   für   die   Panoramafotografie.   Dieses   Programm   “näht”   die Einzelaufnahmen   zu   einem   einzigen   Bild   zusammen,   gleicht   Fehler   hinsichtlich   der   Parallaxe   aus   und   versucht,   Helligkeitswerte   und Farbtemperaturunterschiede    zu    egalisieren.    Nähere    Informationen    finden    Sie    in    unserem    Artikel    Softwaretest ”.    Als    Ergebnis    des Stitchvorgangs   wird   eine   equirectangulare   Projektion   abgeliefert.   Oder   anders   gesagt:   Das   fertige   Kugelpanorama   mit   einem   Blickwinkel   von 180° x 360° Der   Stitcher   liefert   neben   dieser   Projektion   weitere   Daten,   um   das   equirectangulare   Bild   (das   immer   noch   “flach”   ist)   interaktiv   betrachten   zu können.   Das   Bild   wird   auf   die   Innenfläche   einer   Kugel   projiziert   und   in   einer   html-Datei   ausgegeben.   Startet   der Anwender   diese   html-Datei, kann   er   am   Monitor   die   Blickrichtung   wählen   und   sich   frei   um   sämtliche Achsen   drehen.   Im   Gegensatz   zu   einem   flachen   Bild   erfährt   man   die räumliche Dimension. Der Betrachter steht im Mittelpunkt der Szene. Hier das Beispiel als abgeschlossenes Kugelpanorama mit eingeblendeten Steuerungselementen: Sie   können   die   Bewegungsabläufe   entweder   mit   der   Menüsteuerung   direkt   im   Panorama   unten   mittig   steuern   (Vollbild,   links,   rechts, aufwärts, abwärts, Zoom plus, Zoom minus, Autorotation), oder aber per Tastatur und Mouse agieren: Mit dem Cursor in das Bild klicken und mit gedrückter Maustaste die Bewegungsrichtung vorgeben. Die Radtaste bestimmt den Zoomfaktor. Damit das Panorama seine volle Wirkung erzielt, sollten Sie in den Vollbildmodus wechseln oder aber diesem   link  folgen. Zum Abschluss   bleibt   noch   eine   Frage   zu   klären:   Wie   geht   ein   Fotograf   vor,   um   ein   Kugelpanorama   auf fotografischem   Weg   zu   erstellen?   Der   Markt   bietet   zurzeit   preiswerte   360°-Kameras   an,   die   mit   einem einzigen   Klick   auf   den   Auslöser   eine   equirectangulare   Projektion   und   die   dazugehörigen   Daten   direkt abliefern.   Die   Qualität   dieser   Kameras   ist   aufgrund   der   verwendeten   Optiken   und   Sensorgröße(n)   dem Hobbybereich    vorbehalten,    im    professionellen    Bereich    spielen    sie    eine    eher    untergeordnete    Rolle. Chromatische    Abberation,    Lensflares,    Temperaturunterschiede    und    Unschärfe    in    Randbereich    der Aufnahme   sind   Mängel,   die   man   lediglich   mit   einem   gut   vergüteten   Objektiv   umgehen   kann.   Folglich werden     für     professionelle     Kugelpanoramen     hochwertige     Kameras     mit     einem     hochwertigen Weitwinkelobjektiv   oder   Fisheye   erstellt.   Die   Aufnahme   aus   der   Hand   ist   nur   bedingt   möglich.   Die Kamera     muss     sich     um     den     Knotenpunkt     der Eintrittspupille     drehen.     Die     zulässige     Toleranz beträgt   im   Nahbereich   wenige   1/10   Millimeter.   Diese Präzision   ist   nur   mit   einem   VR-System   zu   erreichen (oftmals    auch    Nodalpunktadapter    genannt).    Wer mehr   über   dieses   Thema   erfahren   möchte,   findet   in diesem   Artikel    umfangreiche   Informationen   bis   hin zum     Eigenbau.     Unsere     Animation     zeigt     einen Multirow-Adapter,    der    für    mehrzeilige    Aufnahmen geeignet   ist.   Die   Kamera   sitzt   hochkant   in   einem Galgen,   der   in   fortlaufenden   Schritten   gedreht   und   geschwenkt   wird.   Den   Puristen,   die der   analogen   Fotografie   zugetan   sind,   empfehlen   wir   einen   Blick   in   diesen   Artikel    zu werfen:   Mit   der   Leica   IIIf   von   1954   zum   Kugelpanorama.   Ganz   im   Stil   unserer   Väter   und Großväter. Hat Sie das Interesse gepackt? Viel Vergnügen wünscht Ihr

Was sind Kugelpanoramen?

Blickwinkel 60°x 40° Blickwinkel 100°x100° Blickwinkel 100°x100° Blickwinkel 360°x100° Blickwinkel 360°x100° Blickwinkel 360°x180° Blickwinkel 360°x180°
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Kugelpanoramen. Die Welt in 360 Grad.

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Panorama   setzt   sich   zusammen   aus   den griechischen     Begriffen     pan     (alles)     und horama   (sehen)   und   steht   per   Definition   für einen möglichst weiten Rundumblick. Bekannt       wurde       die       perspektivische Darstellung     von     Landschaften     in     Form eines   Panoramas   durch   Robert   Barker.   Der Ire   ließ   sich   1787   seine   Pläne   für   ein   zylin - drisches     Gebäude     patentieren,     in     dem rundum   laufende   Gemälde   erst   angefertigt und   dann   ausgestellt   wurden.   Bald   standen Rotunden   (siehe   Bild   links)   voll   im   europäi - schen    Trend.    Jede    größere    Stadt,    die etwas    auf    sich    hielt,    schaffte    sich    ein Panorama-Haus   an.   Einige   wenige   dieser historischen   Bauten   sind   heute   noch   erhal - ten   (Luzern,   Innsbruck,   Prag).   In   der   thürin - gischen     Kleinstadt     Bad     Frankenhausen lädt      das      Bauernkriegspanorama      des Leipziger   Malers   Werner   Tübke   zu   einem Besuch   ein.   Mit   einer   Fläche   von   1722   zählt   das   in   der   DDR   entstandene   Tafelbild zu den größten der Welt. Frühe    Panoramen    aus    dem    18.    und    19. Jahrhundert     begegnen     uns     immer     als gemalte     Rundgemälde.     Im     Jahre     1912 wurde      zum      Beispiel      das      Panorama- Gebäude     in     Waterloo     zu     Füßen     des berühmten     Löwen     errichtet.     In     diesem Gebäude   bekam   das   Gemälde   La   bataille   de   Waterloo   (Die   Schlacht   von Waterloo)    seinen    ehrwürdigen    Platz.    Der    Erfolg    war    riesengroß.    Das Monumentale,   das   Gigantische,   zog   unzählige   Bewunderer   in   seinen   Bann. Keine   andere   Kunstform,   kein   anderes   Massenmedium,   hat   das   Publikum   so begeistert   und   die   Sehweise   der   Menschen   dieses   Jahrhunderts   so   stark geprägt    wie    das    Panorama.    Es    gab    weder    Film    noch    Fernsehen    als Alternative. Die Fotografie steckte noch in den Kinderschuhen. Wer   nun   denkt,   die   Panoramafotografie   sei   eine   Erfindung   der   Neuzeit,   irrt, denn    auch    hier    existiert    eine    Historie,    die    bis    in    die    Mitte    des    19. Jahrhunderts   zurückreicht.   Nur   leider   wurde   der   Begriff   Panorama   in   der Fotografie    nicht    konsequent    umgesetzt.    War    zu    Beginn    klar,    dass    ein Panorama   einen   möglichst   großen   Rundumblick   beschreibt,   so   hat   sich   in der      Fotografie      die      Definition      des      Breitformatfotos      herausgebildet. Breitformatfotos   aber   haben   nicht   notwendigerweise   etwas   mit   einem   großen Blickwinkel     zu     tun,     sondern     lediglich     mit     dem    Ausschnitt     und     dem Seitenverhältnis. In   der   heutigen   Fotografie   erhält   der   Begriff   Panorama   zunehmend   seine historische    Bedeutung    zurück.    Den    wohl    eindrucksvollsten    und    zugleich grausamsten   Beleg   liefern   5   Flächenpanoramen   aus   Hiroshima,   die   wenige Monate   nach   dem   Atombombenabwurf   entstanden.   Die   Bilder   wurden   von drei     amerikanischen     Fotografen     und     dem     Japaner     Shigeo     Hayashi aufgenommen,   dessen   Worte   überliefert   sind:   "Nichts   in   meiner   Erfahrung hat    mich    darauf    vorbereitet,    diese    Größe    der    zerstörerischen    Kraft    zu begreifen." Folgendes hat er gesehen:  Hiroshima am 01.10.45 Fassen     wir     zusammen:     Die     Panoramafotografie     steht     als     Sammel- bezeichnung   für   unterschiedlichste   Techniken,   Bilder   unter   einem   möglichst großen    Blickwinkel    herzustellen.    Typischerweise    geht    dieser    Blickwinkel dabei   weit   über   den   starren   Blickwinkel   des   menschlichen Auges   hinaus   (ca. 50   Grad)   und   reicht   vom   Blickwinkel   des   bewegten   menschlichen Auges   (ca. 140   Grad)   bis   zu   360   Grad   bei   Rundumaufnahmen.   Ein   Mensch   erfasst diesen   Blickwinkel   nur,   indem   er   sich   um   seine   eigene   Achse   dreht.   Daraus ergibt     sich     die     größte     Herausforderung     der     Panoramafotografie:     Wie fotografiert   man   etwas,   was   man   eigentlich   nicht   fotografieren   kann,   und   wie macht   man   anschließend   daraus   ein   Bild?   Wir   klären   diese   Frage   anhand des Erbacher Schlosshofes im Odenwald: Das       Foto       links       wurde       mit       einer Spiegelreflexkamera   aus   der   5000er   Serie von     Nikon     mit     der     Brennweite     18mm aufgenommen.   Die   Brennweite   von   18mm an     einer     Crop-Kamera     mit     Faktor     1,5 entspricht   im   herkömmliche   Kleinbildformat 27mm,     für     all     jene,     die     immer     noch umrechnen.    Somit    befinden    wir    uns    ein ganzes       Stück       im       Weitwinkelbereich. Moderate   Weitwinkelobjektive   erreichen   im Mittel     einen     Blickwinkel     von     60°x40°, extreme   Weitwinkel-objektive   100°x50°.   Im Vergleich    zum    menschlichen   Auges    kann von    einem    erweiterten    Blickwinkel    keine Rede    sein.    Nur    Fisheye-Objektive    haben diese   Fähigkeit.   Ihr   Blickwinkel   beträgt   bis zu 180° und mehr. Das   Bild   rechts   wurde   aus   vier   Einzelbildaufnahmen   mit   18er   Brennweite zusammengesetzt   und   auf   einen   Blickwinkel   von   100°   horizontal   und   100° vertikal beschnitten. Weshalb   dieser   Aufwand?   Nun,   zur   Veranschaulichung.   Dieser   Blickwinkel entspricht   folgendem   Modell:   Man   stelle   eine   Glasscheibe   im   Abstand   von einer   Armlänge   vor   sich   auf   und   male   genau   das,   was   man   durch   sie   sehen kann,   auf.   Möchte   man   mehr   von   der   Umgebung   malen,   das   heißt   vergrößert man   den   Blickwinkel,   so   muss   die   Glasscheibe   natürlich   ebenfalls   größer werden. Aber   es   gibt   ein   Problem:   Ohne   sich   selbst   und   die   Scheibe   zu   verrücken, kann   man   –   auch   wenn   man   die   Scheibe   noch   so   groß   wählt   –   nie   das   auf sie   malen,   was   einem   aus   dem   Blickwinkel   gerät,   erst   Recht   nicht,   was   sich hinter   dem   Rücken   befindet.   In   der   Praxis   liegt   die   Grenze   bei   einem   Blick- winkel   von   ca.   100   Grad   in   der   horizontalen   und   vertikalen   Ausrichtung. Möchte   man   seine   Umgebung   komplett   in   einer   Rundumansicht   aufmalen, benötigt   man   mindestens   drei   Glasscheiben   unter   einem   Drehwinkel   von   120 Grad. Ganz ähnlich verhält es sich bei der Panorama-Fotografie. Das   Foto   oben   entspricht   dem   Beispiel   der 3   Glasscheibengemälde.   Der   Maler   drehte sich   einmal   um   die   eigene Achse,   so   konnte er   alles   um   sich   herum   aufzeichnen   -   auch was     ursprünglich     hinter     ihm     lag.     Der Fotograf   schoss   36   Aufnahmen   mit   einem 18er     Weitwinkelobjektiv.     Fügt     man     die einzelnen    Bilder    zusammen,    entsteht    auf diese    Weise    ein    zylindrisches    Panorama. Der   Theorie   nach   fehlen   jetzt   nur   noch   ein Blick   in   den   Himmel   (Zenit)   und   ein   Blick   auf den   Boden   (Nadir),   um   das   Kugelpanorama abzuschließen.   Doch   hier   ergibt   sich   eine weitere     Problematik:     Während     man     ein zylindrisches   Bild   aufklappen   kann   wie   eine   Papprolle,   die   man   an   einer Stelle    zertrennt    und    gerade    biegt,    wird    eine    Kugel    nicht    so    einfach    als “flaches   Bild   darzustellen   sein.   Man   stelle   sich   einen   Globus   vor,   den   man flachdrücken   möchte.   Und   in   der   Tat   würde   der   Aufwand   so   gut   wie   keinen Sinn   ergeben,   läge   der   Sinn   eines   Kugelpanoramas   darin,   ein   planes   Bild   zu erzeugen.   Um   das   ultimative   Panorama   -   das   sphärische   Bild   -   in   seiner vollen   Wirkung   zu   erleben,   bedarf   es   digitaler   Hilfsmittel.   Bevor   wir   diesem Thema     folgen,     betrachten     wir     uns     das     Ergebnis     unseres     shootings. Folgendes Bildmaterial steht zur Weiterverarbeitung zur Verfügung: Ab   jetzt   übernimmt   ein   “Stitcher”   die Arbeit,   ein   spezielles   Softwareprogramm für   die   Panoramafotografie.   Dieses   Programm   “näht”   die   Einzelaufnahmen zu   einem   einzigen   Bild   zusammen,   gleicht   Fehler   hinsichtlich   der   Parallaxe aus    und    versucht,    Helligkeitswerte    und    Farbtemperaturunterschiede    zu egalisieren.      Nähere      Informationen      finden      Sie      in      unserem     Artikel Softwaretest ”.   Als   Ergebnis   des   Stitchvorgangs   wird   eine   equirectangulare Projektion   abgeliefert.   Oder   anders   gesagt:   Das   fertige   Kugelpanorama   mit einem Blickwinkel von 180° x 360° Der    Stitcher    liefert    neben    dieser    Projektion weitere   Daten,   um   das   equirectangulare   Bild (das      immer      noch      “flach”      ist)      interaktiv betrachten   zu   können.   Das   Bild   wird   auf   die Innenfläche   einer   Kugel   projiziert   und   in   einer html-Datei   ausgegeben.   Startet   der   Anwender diese    html-Datei,    kann    er    am    Monitor    die Blickrichtung   wählen   und   sich   frei   um   sämtliche Achsen     drehen.     Im     Gegensatz     zu     einem flachen      Bild      erfährt      man      die      räumliche Dimension.   Der   Betrachter   steht   im   Mittelpunkt der Szene. Hier   das   Beispiel   als   abgeschlossenes   Kugelpanorama   mit   eingeblendeten Steuerungselementen: Sie   können   die   Bewegungsabläufe   entweder   mit   der   Menüsteuerung   direkt im   Panorama   unten   mittig   steuern   (Vollbild,   links,   rechts,   aufwärts,   abwärts, Zoom   plus,   Zoom   minus,   Autorotation),   oder   aber   per   Tastatur   und   Mouse agieren: Mit   dem   Cursor   in   das   Bild   klicken   und   mit   gedrückter Maustaste      die      Bewegungsrichtung      vorgeben.      Die Radtaste bestimmt den Zoomfaktor. Damit    das    Panorama    seine    volle    Wirkung    erzielt,    sollten    Sie    in    den Vollbildmodus wechseln oder aber diesem link  folgen. Zum   Abschluss   bleibt   noch   eine   Frage   zu   klären:   Wie   geht   ein   Fotograf   vor, um   ein   Kugelpanorama   auf   fotografischem   Weg   zu   erstellen?   Der   Markt bietet   zurzeit   preiswerte   360°-Kameras   an,   die   mit   einem   einzigen   Klick   auf den Auslöser   eine   equirectangulare   Projektion   und   die   dazugehörigen   Daten direkt   abliefern.   Die   Qualität   dieser   Kameras   ist   aufgrund   der   verwendeten Optiken      und      Sensorgröße(n)      dem      Hobbybereich      vorbehalten,      im professionellen     Bereich     spielen     sie     eine     eher     untergeordnete     Rolle. Chromatische    Abberation,    Lensflares,    Temperaturunterschiede    und    Un- schärfe   in   Randbereich   der   Aufnahme   sind   Mängel,   die   man   lediglich   mit einem   gut   vergüteten   Objektiv   umgehen   kann. Folglich      werden      für      professionelle      Kugel- panoramen    hochwertige    Kameras    mit    einem hochwertigen    Weitwinkelobjektiv    oder    Fisheye erstellt.    Die    Aufnahme    aus    der    Hand    ist    nur bedingt   möglich.   Die   Kamera   muss   sich   um   den Knotenpunkt     der     Eintrittspupille     drehen.     Die zulässige     Toleranz     beträgt     im     Nahbereich wenige   1/10   Millimeter.   Diese   Präzision   ist   nur mit    einem    VR-System    zu    erreichen    (oftmals auch    Nodalpunktadapter    genannt).    Wer    mehr über   dieses   Thema   erfahren   möchte,   findet   in diesem   Artikel    umfangreiche   Informationen   bis hin   zum   Eigenbau.   Unsere Animation   zeigt   einen Multirow-Adapter,     der     für     mehrzeilige     Auf- nahmen    geeignet    ist.    Die    Kamera sitzt   hochkant   in   einem   Galgen,   der in    fortlaufenden    Schritten    gedreht und   geschwenkt   wird.   Den   Puristen, die   der   analogen   Fotografie   zugetan sind,    empfehlen    wir    einen    Blick    in diesen    Artikel     zu    werfen:    Mit    der Leica        IIIf        von        1954        zum Kugelpanorama.       Ganz       im       Stil unserer Väter und Großväter. Hat Sie das Interesse gepackt? Viel Vergnügen wünscht Ihr

Was sind Kugelpanoramen?

Querschnitt durch Robert Barker's Zwei-Ebenen-Panorama am Leicester Square  von Robert Mitchell, c. 1793. British Museum, London
Blickwinkel 60°x 40° Blickwinkel 100°x100°
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Blickwinkel 360°x100°
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Blickwinkel 360°x180°
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In der thüringischen Kleinstadt Bad Frankenhausen lädt das Bauernkriegsdenkmal des Leipziger Malers Werner Tübke zu einem Besuch ein. Mit einer Fläche von 1722 qm zählt das in der DDR erstandene Tafelbild zu den größten der Welt.
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Das Panorama-Magazin

Kugelpanoramen. Die Welt in 360 Grad.
Kugelpanorama - Bamberg - Am Wehrturm der Altenburg Kugelpanorama - Heidelberg -  Marktplatz am Herkulesbrunnen
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