Das Panorama-Magazin

Kugelpanoramen. Die Welt in 360 Grad.

HDR-i

Mit dem kamerainternen HDR-Modus zum Kugelpanorama

Die   Abkürzung    HDR     steht    für    H igh    D ynamic    R ange.    Zu    deutsch:    Bild    mit    großem Dynamikbereich .   Um   was   geht   es   hier?   Es   geht   um   Licht   und   Schatten!   Oder   richtiger gesagt:   Es   geht   um   den   Kontrast ;   also   um   den   Unterschied   zwischen   den   hellen   und dunklen Bereichen innerhalb eines Bildes! Jeder    Fotograf    kennt    die    Problematik.    Enthält    ein    Motiv    zu    viel    Licht    und    zu    viel Schatten,    erhalten    wir    ausgefressene    Lichter    und    zugelaufene    Schatten.    Der    alte Lehrsatz,   die   korrekte   Belichtung   gehört   auf   das   Hauptmotiv   gelegt,   ist   uns   in   der Panoramafotografie    keine    große    Hilfe.    Ein    Kugelbild    hat    den    Anspruch,    in    allen Bereichen   möglichst   gut   belichtet   zu   sein.   Die   traditionelle   Fotografie   ist   mit   dieser Herausforderung klar überfordert. In   Sachen   Bildqualität   kann   uns   die   HDR-Fotografie   ggf.   einen   Vorteil   verschaffen.   Wir erweitern    den    Kontrast.    Zumindest    bei    unbewegten    Motiven.    Hierzu    fügen    Könner unterschiedlich       belichtete       Einzelaufnahmen       per       Belichtungsreihen-Automatik ( Bracketing )    zu    einem    hochdynamischen    Bild    zusammen.    Der    Aufwand    ist    hoch. Aktuelle   Kameras   verfügen   über   eine   bordeigene   HDR-Funktion.   Hier   ist   der   Aufwand geringer.   Die   Frage   ist   nur,   eignen   sich   tongemappte Aufnahmen   direkt   aus   der   Kamera zum Erzeugen eines Kugelpanoramas? Dieser Frage sind wir nachgegangen. Das Für und Wider: Die HDR-Fotografie in der Kritik Über    HDR    wird    derzeit    heftigst    diskutiert.    Wie    bereits    erwähnt,    legt    uns    diese Aufnahmetechnik    zwar    ein    Werkzeug    an    die    Hand,    mit    der    man    fotografische Ergebnisse   spürbar   verbessern   kann,   auf   der   anderen   Seite   hat   sich   die   HDR   Fotografie zu   einer   impressionistische   Stilrichtung   entwickelt,   die   nicht   jedem   gefällt.   In   der   Tat spielen    viele    Anwender    mit    überhöhten    Kontrasten    und    übersättigten    Farben    und erzeugen   somit   einen   surrealen   Effekt,   an   dem   man   sich   schnell   satt   gesehen   hat.   Böse Stimmen   meinen,   der   Fotograf   würde   absichtlich   dazu   verleitet,   HDR   als   Effektfilter   zu missbrauchen,   indem   Tone-Mapping-Operatoren   in   diversen   Programmen   eine   extrem große   Freiheit   gestatten.   Das   mag   richtig   sein.   Und   doch   sollte   man   Toleranz   walten lassen.   Fotokunst   und   Fotokitsch   liegen   eng   beieinander.   Das   war   schon   immer   so   und wird   sich   in   Zukunft   nicht   ändern.   Mit   den   oben   gezeigten   Beispielen   haben   wir   versucht, die   Bandbreite   zwischen   Kunst   und   Kitsch   darzustellen.   Während   der   blaue   Dreirad- transporter   aufgrund   der   Überzeichnung   einen   -   sagen   wir   -   interessanten   Blickfang bildet,   drängt   sich   beim   Kirchenbild   die   Frage   auf,   ob   ein   Fotograf   der   Arbeit   eines drogensüchtigen   Comic-Zeichners   nacheifern   sollte.   Beim   Anblick   der   Fassade   indes können   wir   klar   attestieren:   Hier   steht   das   Motiv   im   Vordergrund   -   und   nicht   die   Technik hinter   dem   Bild.   Hier   hat   HDR   zu   einem   deutlich   verbesserten   Arbeitsergebnis   geführt, ohne   dass   der   Betrachter   von   den   typischen   HDR-Indizien   belästigt   wird.   Schauen   wir also   nach,   welche   Vorteile   wir   aus   der   HDR Technik   ziehen   können.   Das   geht   am   besten mit Fakten und Hintergrundwissen.

Fakten und Hintergrundwissen

Wo   fangen   wir   an?   Beim   menschlichen Auge!   Der Theorie   nach   haben   Neandertaler   und Homo   sapiens   einen   gemeinsamen   Vorfahren,   der   vor   etwa   700.000   Jahren   in   Afrika lebte.   Andere    Kreaturen,    wie    zum    Beispiel    die    Dinosaurier,    wandelten    vor    ca.    225 Millionen    Jahren    auf    unserer    Erde.    Wir    können    festhalten,    dass    das    Auge    eine Entwicklungsgeschichte   hinter   sich   hat,   von   der   jeder   Produktdesigner   nur   träumen kann.   Weshalb   diese   Vorrede?   Weil   wir   gestern   wie   heute   technikgläubig   sind   und insgeheim    meinen,    die    Technik    sei    jedem    organischen    System    überlegen.    Ist    dem wirklich   so?   Nein!   Bei   Situationen   mit   extrem   hohen   Kontrasten   haben   wir   mit   unseren   Augen   keine   Schwierigkeiten,   das   Verhältnis von   schwarz   zu   weiß   klar   zu   differenzieren.   In   Zahlen   ausgedrückt   hat   das   menschliche   Auge   einen   Kontrast   von   1.000.000:1.   Ein Bereich,   der   im   Vergleich   zur   digitalen   Fotografie   ca.   1.000x   höher   liegt. Auch   die   chemische   Fotografie   unterliegt   diesem   Wert   um   den Faktor   100.   Typische   Kontraste   auf   gedrucktem   Papier   veranschaulichen   die   überragende   Leistung   des   Auges   noch   deutlicher: Tageszeitung    6:1,    Laserdrucker    30:1,    Fotopapier    50:1.    Insbesondere    Freunde    von    Heimkinosystemen    werden    an    dieser    Stelle widersprechen   wollen.   Die   neue   Fernsehgeneration   wird   mit   Kontrastwerten   von   2.000.000:1   bis   hin   zu   150.000.000:1   beworben. Stopp!   Die   Hersteller   wissen   um   die   Unzulänglichkeiten   ihrer   Produkte   sehr   genau   und   wenden   einen   Trick   an.   Sie   deklarieren   den dynamischen   Kontrast   ihrer   Flimmerkisten!   Der   Trick   besteht   darin,   dass   bei   einem   dunklen   Bild   die   Hintergrundbeleuchtung   reduziert wird,   was   klar   auf   Kosten   der   Bildqualität   geht.   Der   native   Kontrast   ist   entscheidend!   Es   ist   also   wichtig   zu   wissen,   wovon   die   Rede   ist, bevor wir uns der eigentlichen Fototechnik zuwenden! Reden wir über den Kontrast. Umgangssprachlich   wird   der   Kontrast   auch   als   Brillanz    bezeichnet.   Unser   Eichhornkater   zeigt,   wie   ein   Foto   durch   Anheben   des Kontrastes   an   Brillanz   gewinnt.   Es   kann   aber   auch   genau   das   Gegenteil   erreicht   werden.   Bei   einem   zu   harten   Kontrast   verschwinden viele   Bilddetails   im   Pixel-Nirwana,   während   ein   zu   weicher   Kontrast   milchig   erscheint.   Ein   ausgewogenes   Kontrastverhältnis   wirkt natürlich,   indem   es   der   Realität   am   nächsten   kommt .   Unter   dieser   Prämisse   erstellten   wir   folgende Testbilder.   Das   Motiv   gibt   wenig   her und   die   Lichtverhältnisse   sind   denkbar   ungünstig,   aber   zur   Beurteilung,   was   eine   kamerainterne   HDR-Funktion   zu   leisten   vermag,   ist die Wahl zur Extreme sehr gut geeignet. Was hier funktioniert, funktioniert bei einer Schönwetteraufnahme allemal. Das   Ergebnis   ist   eindeutig.   Obwohl   die   von uns   verwendete   Nikon   D5200   lediglich   zwei Einzelaufnahmen       zu       einem       HDR-Bild verarbeitete,   sind   alle   HDR   Versuche   besser, als   hätte   man   auf   den   HDR-Modus   verzichtet. Was    die    Tonwerte    anbelangt,    sagt    uns    der Modus   Normal   am   besten   zu.      High   und   High   * schwächen   die   Lichter   zu   stark   ab,   so   dass eine        unschöne       Abschattung        entsteht. Betrachten wir die Details: Unsere    im    Schatten    liegende    Kamera    müs- sen   wir   im   unmittelbaren   Vergleich   wohl   nicht kommentieren.       Auch       nicht       das       Latte macchiato Glas nebst Kaffeebecher. Ganz   ohne   Frage   würden   mehrere   Einzelauf- nahmen    zu    einem    noch    besseren    Ergebnis führen,   allerdings   dürfen   wir   nicht   außer   acht lassen,   wie   schnell   wir   mit   dem   automatischen HDR-Knopf     unterwegs     sind.     Die     Doppel- aufnahme    der    Nikon    dauerte    den    Bruchteil einer     Sekunde.     Tonemapping     von     Hand ausgeführt    setzt    hohes    Können    voraus    und würde   ungleich   länger   dauern,   insbesondere dann,    sieht    man    die    Herausforderung    darin, ein   Ergebnis   nahe   an   der   Realität   zu   erzielen. Dieses   Ziel   hat   die   Nikon   erreicht.   Jetzt   bleibt zu    klären,    ob    wir    die    HDR-Technik    für    ein Kugelbild verwenden können.

Die richtige Einstellung

Mit   einem   stabilen   Stativ   und   einem   soliden   VR-System   suchen   wir   uns   ein   “ruhiges”   Motiv. Ruhig     deshalb,     weil     alles,     was     sich     bewegt,     ein     Geisterbild     erzeugt.     Doppelte Belichtungszeit   und   schnelle   Bewegungsabläufe   harmonieren   nicht.   Im   Wind   schaukelnde Äste, wehende Fahnen, bewegtes Wasser, herumlaufende Personen usw. usf. sind tabu. Auf   unserer   Nikon   sitzt   ein   Funkauslöser   auf   dem   Blitzschuh.   Alternativ   könnten   wir   den Selbstauslöser   mit   Vorlaufzeit   verwenden,   allerdings   wollen   wir   bei   unserem Test   jede   noch so    kleine    Verschiebung    zwischen    den    Einzelaufnahmen    vermeiden.    Nicht    zuletzt    aus diesem   Grund   werden   wir   unsere   Aufnahmen   mittels   Live   View   erstellen.   Weshalb?   Der Spiegel   klappt   noch   vor   der Aufnahme   hoch   und   bleibt   auch   zwischen   den Aufnahmen   dort stehen. Vibrationen sind somit ausgeschlossen. Wie    in    der    Panoramafotografie    üblich,    stellen    wir    die    Blende    und    die    Belichtungszeit manuell   ein.   Die   Kamera   wird   die   Belichtungszeit   bei   der   ersten   und   zweiten   Aufnahme unter Beibehaltung der Blende verkürzen bzw. verlängern. Da   der   HDR-Modus   den   Kontrast   erweitert,   sind   Farbsäume   an   kontrastreichen   Kanten   ein Thema.    Sie    werden    verstärkt.    Wir    wählen    ISO    100.    Auf    diese    Weise    ist    geringstes Bildrauschen garantiert. Der   Zugriff   auf   den   HDR-Modus   erfolgt   bei   der   Nikon   über   den   i-Knopf.   Hier   ist   auch   der automatische Weißabgleich zu deaktivieren und die ISO ggf. zu ändern. Die Aufnahme Wir   befinden   uns   in   Bad   Orb.   Und   zwar   im   Innern   des   hölzernen   Gradierwerks.   An   unsere Nikon   D5200   ist   ein   Sigma   Fisheye   Brennweite   8mm   f4,0   angeflanscht.   Dieses   Objektiv zeichnet   im   Verbund   mit   dem   Crop-Sensor   Faktor   1,5   ca.   182   Grad   in   der   Senkrechten.   Wir benötigen   entlang   des   Horizonts   unter   0   Grad,   90   Grad,   180   Grad   und   270   Grad   jeweils   ein HDR-Bild   zum   Erstellen   eines   vollständigen   Kugelpanoramas.   Die   Belichtungszeit   1/50   sec. ermitteln   wir   unter   Blende   f9   anhand   einiger   Testaufnahmen.   Wie   nicht   anders   vermutet, können   wir   das   Gerüst   der   Saline   zwar   ausgezeichnet   herausstellen,   aber   das   Gegenlicht ist   zu   stark,   um   die   Landschaft   kontrastreich   darzustellen.   Das   Motiv   verfügt   über   einen extrem   hohen   Dynamikumfang.   Wir   entscheiden   uns      für   den   HDR-Mous   High   *,   den höchst    möglichen    Wert.    Beim    Druck    auf    den    Fernauslöser    erzeugt    die    Kamera    zwei Aufnahmen hintereinander. Die vier Aufnahmen sind binnen Sekunden im Kasten. Die   jetzt   folgenden   Einzelaufnahmen   haben   wir   nicht   per   Software   optimiert.   Zum   Stitchen benutzten wir PTGui Pro. Zur Beurteilung klicken Sie bitte auf das fertige Panorama..... Für   ein   Ergebnis,   das   direkt   aus   der   Kamera   kommt,   ist   das   Panorama   erstaunlich   gut   gelungen.   Wir   finden   keine   Bereiche,   die   zu- gelaufen   oder   ausgefressen   sind.   Einige   Schatten   sind   vielleicht   zu   stark   aufgehellt,   dafür   ist   der   Hintergrund   detailreich   durchge- zeichnet.   Die   Farbsättigung   ist   minimal   zu   hoch,   doch   dieser   Makel   lässt   sich   mittels   Bildbearbeitung   mit   einem   Mausklick   beseitigen. Als   Fazit   sei   gesagt:   Wer   ohne   großen Aufwand   jene   Vorteile   für   sich   verbuchen   möchte,   die   die   HDR-Technik   ermöglichen,   für   den   ist der   HDR-Modus   eine   feine   Angelegenheit.   Auch   über   die   Panoramafotografie   hinaus.   Beim   Kauf   einer   neuen   Kamera   sollte   man   auf dieses Feature achten!
Normaler Kontrast (Original) Geringer Kontrast Verstärkter Kontrast Überzogener Kontrast
ohne HDR
HDR-Modus “High *”
ohne HDR
HDR-Modus “High *”
Unser VR-System Marke Eigenbau (2012 / 2013)  für Fisheye-Objektiv auf Manfrotto 745B mit Nikon DSLR
Unabhängig vom Kameratyp achten Sie bitte auf die korrekte Einstellung Ihrer Kamera.  Die HDR- Fotografie erfordert  z.B. einem niedrigen ISO-Wert.
HDR-Testaufnahme Bad Orb - Im Gradierwerk
Panorama von Ackermann Ralf, fotografiert 06/05/2013
Kugelpanorama - Bad Orb - Im Gradierwerk Landkarte Stadt

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